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Luna Rossa, die Geschichte einer Leidenschaft für den Segelsport

Das Team der America's-Cup-Veteranen wurde 1997 von Patrizio Bertelli gegründet. Zu ihren Erfolgen gehört ein Finale, das sie mit dem Team Black Magic aus Neuseeland bestritten

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Luna Rossa, die Geschichte einer Leidenschaft für den Segelsport

Wie so oft in italienischen Seefahrergeschichten beginnt auch die von Luna Rossa in Mailand. Dort, im Studio des berühmten argentinischen Schiffsarchitekten German Frérs, beschloss Patrizio Bertelli in den frühen Tagen des Jahres 1997, die Herausforderung America's Cup zu starten.

Der italienische Chef wählte bald darauf die anderen Schlüsselmänner des Teams aus. Zu dem amerikanischen Konstrukteur Doug Peterson und dem brasilianischen Ass Torben Grael sollte der neapolitanische Skipper Francesco de Angelis stoßen. Er kaufte drei Boote der Klasse IACC (International Americas Cup Class), die für den America’s Cup entwickelt wurde, mittlerweile aber nicht mehr in Regatten gesegelt wird. Sie hießen Kanza, Might Mary und America³. Punta Ala in der Toskana wurde als italienischer Stützpunkt des Teams gewählt, weil die Bedingungen dort mit denen des Hauraki-Golfs in Neuseeland vergleichbar waren, wo die Rennen stattfinden sollten.

Am 21. April forderte der Punta Ala Yacht Club formell die Royal New Zealand Yacht Squadron heraus, welche die Trophäe damals innehatte. Es war der offizielle Beginn eines der spannendsten Abenteuer des italienischen Sports mit einem Namen, der für Aufregung sorgen sollte: Luna Rossa.

Das Geheimnis des Namens

Der Name wurde beim Launch von ITA-45, dem ersten Boot der Challenge, am 5. Mai 1999 in Punta Ala enthüllt. Die offizielle Geschichte besagt, dass Bertelli der Name in den Sinn kam, als er an einem warmen Sommerabend während eines Abendessens auf den Hügeln von Tirli, in der Nähe von Punta Ala, den Aufgang eines großen rötlichen Vollmondes bewunderte. Bertellis Frau, Miuccia Prada, hat danach stets betont, der Name stehe im perfekten Kontrast zu dem des Titelverteidigers: Black Magic.

Später erinnerten sie sich an das neapolitanische Lied "Luna Rossa", das 1950 geschrieben und von Renzo Arbore in einer modernen Tonart neu interpretiert wurde. Die Melodie würde das Boot auf seinen Abenteuern in der südlichen Hemisphäre begleiten. Dass sie einen großartigen Start hinlegten, wurde allen beim Louis Vuitton Cup im Winter 1999 klar, als sie in Auckland mit neun anderen Syndikaten antraten. Luna Rossa verlor in den ersten beiden Round Robins lediglich ein Rennen. Bis zum Halbfinale lag das Team trotz zweier Niederlagen in Führung.

Eine epische Schlacht

Die Halbfinalrunde gehörte nicht gerade zu den einfachsten. Nachdem er zuvor den neuen ITA-48-Rumpf eingesetzt hatte, entschied sich De Angelis dafür, wieder auf den bewährten ITA-45 zurückzugreifen, den die Neuseeländer wegen seiner Geschwindigkeit Silver Bullet getauft hatten. Luna Rossa beendete die Regatten auf dem zweiten Platz und kämpfte mit America One um den Louis Vuitton Cup. Deren Skipper Paul Cayard war aufgrund seiner Vergangenheit am Steuer der Moro di Venezia ein alter Freund der Italiener.

Diese Challenge ging in die Geschichte des America's Cup und in das kollektive Gedächtnis der Italiener ein, nicht zuletzt aufgrund der Live-Übertragung im Fernsehen auf TMC. Es war eine atemberaubende Serie: erst stand es 1:1, dann 3:1 für Luna Rossa, doch dann 3:4 für America One, die einen zusätzlichen Gang gefunden zu haben schien. Die Italiener blieben aufgrund der Zeitverschiebung die ganze Nacht auf, um die Regatten zu verfolgen. In der Schule, in den Cafés und bei der Arbeit redeten alle nur noch davon. Die Schlagzeilen in Zeitungen und Fernsehen handelten von geplatzten Spinnakern (Ballonsegeln), im Wasser treibende Segel, Strafen und Beleidigungen, Meisterleistungen und Fehlern.

Dem Team gelang ein Comeback und es stand nun 4:4 mit nur noch 37 Sekunden auf der Uhr. Im neunten Rennen, am 6. Februar 2000, ging es zur Sache, als gäbe es kein Morgen. Das Team von De Angelis und Grael verteidigte den 34-Sekunden-Vorsprung an der ersten Marke vorbildlich. Italien gewann zum zweiten Mal in der Geschichte den Louis Vuitton Cup.

Die Kiwi-Barrikade

Das 30. America's Cup Finale fand vom 20. Februar bis 2. März statt. Die Erwartungen in Italien waren hoch, aber es wurde schnell klar, dass es nicht zum Titelgewinn reichen würde. Die Black Magic NZL-60 mit ihrer Crew, die größtenteils aus San Diego-Veteranen bestand, glich einer Rakete, die Sir Peter Blake vom Ufer aus steuerte. Es wurde ein 5:0-Sieg. Die Abstände waren nicht riesig (von 48 Sekunden bis zwei Minuten 43 Sekunden), aber man hatte das Gefühl, dass nichts mehr zu machen war. Russell Coutts genoss sogar den Luxus, das Steuer im letzten Rennen an den jungen Dean Barker zu übergeben.

Die Trophäe blieb in Auckland. Sir Peter Blake verabschiedete sich unter großem Jubel und beschloss, sich dem Hochsee-Segeln zu widmen. Doch Luna Rossa war (zu Recht) noch nicht bereit, aufzugeben, und ein paar Minuten, nachdem die Black Magic die Ziellinie überquert hatte, wurde sie erneut herausgefordert. Als sie 2002 zur 31. Auflage nach Auckland zurückkehrten, war das Team von Patrizio Bertelli im Wesentlichen das gleiche wie das, das den Louis Vuitton Cup 2000 gewonnen hatte. Doch in diesem Jahr waren die Boote nicht auf Höhe der Wettbewerber. Der Unterschied war so groß, dass der Konstrukteur Doug Peterson nach den ersten enttäuschenden Rennen von seinen Aufgaben entbunden wurde.

Im Finale in Valencia

Mit harter Arbeit in der Werft und eiligem Feintuning schaffte es Luna Rossa, das Finale zu erreichen und dominierte die Victory Challenge, verlor aber am Ende mit 2:3 gegen One World Challenge. Fünf Jahre sollten vergehen, bevor Luna Rossa wieder im Mittelmeer erschien, als das Team der Schweizer Yacht Alinghi Valencia wählte, um die Trophäe zu verteidigen, die es gegen alle Widrigkeiten auf den Antipoden gewonnen hatten.

Bertellis Crew war noch internationaler und mit Champions gespickt. Sie kämpften sehr gut und verloren nur 4 von 20 Rennen in den Auswahlrennen. Das Halbfinale ließ die italienischen Fans erneut träumen, als das Team BMW Oracle Racing souverän mit 5:1 besiegte, das Finale des Louis Vuitton Cups erreichte und somit Luna Rossa die Chance gab, die Niederlage in Auckland im Jahr 2000 auszubügeln.

Aber das Kiwi-Boot fand ideale Leichtwindbedingungen vor, und obwohl das italienische Team - angeführt von James Spithill und Torben Grael - nie aufgab, endeten alle fünf Rennen auf die gleiche Weise. Bertelli gab auf, doch überlegte es sich aber noch einmal und kehrte im folgenden Jahr zurück.

Die Zeiten der Katamarane

Ein langwieriger Rechtsstreit zwischen dem Verteidiger Alinghi und dem Herausforderer Oracle Racing verhinderte, dass Luna Rossa an der nächsten Ausgabe teilnehmen konnte. Aber 2011 begann eine neue Challenge und dieses Mal waren die Stars die AC 72-Katamarane. Zwei Jahre später kämpften drei Teams um den Louis Vuitton Cup in den Gewässern vor San Francisco. Luna Rossa, das zum ersten Mal dem Italiener Max Sirena anvertraut wurde, erledigte die Aufgabe und besiegte das schwedische Team im Halbfinale mit 4:0, stieß aber erneut auf die Hürde der Kiwis und verlor mit 1:7. 

Bertelli wollte nicht aufgeben und begann mit den Vorbereitungen für die 35. Ausgabe in Bermuda, in der neuen Klasse, die von BMW Oracle Racing gewählt wurde. Doch überraschenderweise und zu Unrecht meldete der Verteidiger im April 2015 ein anderes Boot für das Event an. Der unerwartete Wechsel von der AC 62 zur AC 50 machte Patrizio Bertelli (verständlicherweise) wütend und trieb ihn dazu, sich zu verabschieden und davon zu stürmen, indem er erklärte, er wolle nie wieder etwas über den America's Cup hören. 

Zum Glück für uns hat er seine Meinung geändert.

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