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Zu Gast bei Lopresto: hinter den Kulissen der besten italienischen Autosammlung

Corrado Lopresto ist einer der berühmtesten Automobil-Sammler der Welt. Wie wird man zu einem Maßstab in diesem Bereich? Ein profundes Wissen über die automobile Vergangenheit ist definitiv ein guter Ausgangspunkt

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Zu Gast bei Lopresto: hinter den Kulissen der besten italienischen Autosammlung

Von sämtlichen Automobilen, die er im Laufe der Jahrzehnte erworben hat, verkaufte er nur eines. Das sollte genügen, um Ihnen eine erste Vorstellung von Corrado Lopresto zu vermitteln. Er ist der bekannteste italienische Sammler von Oldtimern, laut Forbes belegt er weltweit den 24. Platz. Der englischen Zeitschrift Magneto zufolge belegt er weltweit den ersten Platz bei den unter 65-jährigen und gehört zu den 35 Top-Influencern. Doch darüber hinaus gibt es noch viel mehr zu erzählen. Seine Leidenschaft für die automobile Welt ist bei jeder Begegnung spürbar und reicht – wie wohl bei allen Sammlern – in eine Zeit zurück, als er dem Kindesalter kaum entwachsen war. „Ich war erst 16, als ich das Parilla-Motorrad meines Bruders restaurierte, meine erste Arbeit. Danach begann ich mit der Restauration der Lancia Aurelia B21 meines Vetters". Der bescheidene Anfang im Innenhof seines Hauses führte zu einer der renommiertesten Sammlungen der Welt.

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DIE LOPRESTO SAMMLUNG
Italienische Automobile und Unikate: Jedes Exponat der Lopresto Sammlung gehört in beide Kategorien. Prototypen, das erste Exemplar eines in Serie produzierten Modells, Stilvorschläge von Karosseriebauern, die von den Automobilherstellern nie in die Produktion übernommen wurden, das älteste Automobil einer bestimmten Marke, das erste einer anderen. Maßgefertigte Einzelstücke, größtenteils von Alfa Romeo: „Bei uns daheim hatten wir den klassischen Alfa gegen Lancia Streit. Eines Tages, als ich mit dem Restaurator meines Vertrauens sprach, hörte ich begeistert von dem 6C 2500 von Arese. Also kaufte ich ein Buch über Alfa Romeo und die Lektüre entfachte meine Leidenschaft." Ein weiteres Merkmal, das den Sammler Corrado Lopresto auszeichnet, ist seine Kultiviertheit.

WIEDERHERSTELLEN ODER ZU ERHALTEN?
Im Gegensatz zu zwanghaften Alleskäufern widmen sich echte Sammler der Aufgabe, das automobile Erbe lebendig zu halten. Sie wollen die Arbeit der Frauen und Männer würdigen, welche die besten Automobile entwickelt haben, und sie respektieren deren technische und stilistische Entscheidungen, wenn sie die Pracht dieser Fahrzeuge wiederherstellen. „Sie zu bewahren ist immer besser als sie zu restaurieren: Was noch in gutem Zustand ist, sollte auch nicht berührt werden. Denn das Beibehalten des Originals ist eine Form der Achtung vor Tradition und Kultur", erklärt er. Was immer es auch kosten möge. Und dementsprechend verhielt er sich gegenüber dem Auto, das ihm am meisten am Herzen liegt, einen Alfa Romeo 1750 Gran Sport von 1937. Bei der Wahl der Farbe für die Karosserie fand er historische Bilder, leider in schwarz-weiß. Doch mit Hilfe einer Software, die zur Restaurierung historischer Filme verwendet wird, konnte die korrekte Farbe der anderen mit der Kamera aufgenommenen Gegenstände anhand ihrer Schattierungen identifiziert werden. Und daraus ließ sich im nächsten Schritt die ursprüngliche Farbe des Autos rekonstruieren. Um die Geschichte dieses Automodells lückenlos zusammensetzen zu können, verließ er sich auch auf die Dienste der Rechercheagentur seines Freundes Angelo De Giorgi. Deren Aufgabe bestand darin, eine Liste der Vorbesitzer des Autos zu erstellen. Mit diesem speziellen Alfa gewann Corrado Lopresto zahlreiche Preise.

WIRKLICH DAHEIM IN DER VILLA D'ESTE
Die schönsten und bedeutendsten Autos beim Concours d'Elegance auszustellen, hält Corrado Lopresto für die Kernaufgabe jedes Sammlers. Selbstverständlich mit dem Ziel, den Wettbewerb zu gewinnen. Doch immer auch, um diese Veranstaltungen als Gelegenheit zu nutzen, die Schönheit der Fahrzeuge mit anderen Enthusiasten zu teilen. Und um wichtige Informationen zu erhalten. „Das war auch in diesem Jahr in der Villa d'Este der Fall, als Fabrizio Giugiaro zu mir kam und sich freute, La Fleche nach 30 Jahren wieder aus der Nähe zu sehen“, erzählt Corrado Lopresto . „Und er rief aus: >>Dies ist der einzige Alfa Romeo mit einem herzförmigen Kühlergrill, über den Felice Bianchi Anderloni (der Besitzer der Carrozzeria Touring Karosserie, Anmerkung der Redaktion) vor etwa 30 Jahren mit mir gesprochen hatte<<“. Nicht einmal Lopresto wusste, dass der von ihm ausgestellte Alfa 1900 La Flèche dieses besondere Merkmal hatte. 

Seine im Laufe vieler Jahre gewonnenen Preise geben ihm eine große Befriedigung. Zugleich sind sie die Anerkennung für all die harte Arbeit. So zum Beispiel der unter der Schirmherrschaft der UNESCO verliehene Preis der FIVA, dem Weltverband der Oldtimer-Clubs, den Lopresto für die Restaurierungsarbeiten am Alfa Romeo SZ Coda Tronca (genannt Stummelschwanz) erhielt, der 2016 in der Villa d'Este ausgestellt wurde. Und der nach Paris eingeladen wurde, damit Lopresto dort seine Technik für diese Restaurierungsarbeit erläutern konnte. Seit nunmehr zwei Jahrzehnten kommt der Edel-Sammler jedes Jahr ans Ufer des Comer Sees. Bleibt also nur noch die Frage: Was wird er zum Concorso di Eleganza 2020 mitbringen?

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