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Zum Mond ...
und zurück

Vor 50 Jahren betrat der Mensch erstmals den Mond. Eine neue Ära menschlicher Errungenschaften schien dadurch möglich zu werden. Doch irgendwann verblasste der Traum von der Eroberung des Weltraums. Nun aber, ausgestattet mit neuer Technologie, ist eine Vielzahl neuer Akteure bereit, ihm neues Leben einzuhauchen

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Nein, man muss nicht viele Science-Fiction-Magazine gelesen haben, um zu erkennen: Der Mond sollte nur der Anfang sein. Sobald wir Menschen dort Fuß gefasst hatten, wollten wir auf ihn zurückkehren, dort Basen errichten und den Weltraum bis zu den entferntesten Galaxien erforschen. Was sonst hätte man erwarten sollen? Denn für die Zivilisation wäre es doch ein sinnloses Unterfangen gewesen, einige groß angelegte Raumfahrtmissionen zu erfüllen und Männer erfolgreich auf den Mond zu schicken, um dann … einfach aufzuhören. Es wäre doch lächerlich, lediglich eine Runde schwereloses Golf zu spielen, oder mit einem Dünen-Buggy durchs All zu reisen, um dann … nichts weiter daraus zu machen.

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Aber genau das geschah! Nur elf Menschen liefen bislang auf dem Mond umher, alle gesendet von der US-Weltraumbehörde NASA. Apollo 11, so der Name des ersten bemannten Fluges mit einer erfolgreichen Landung von Menschen auf dem Mond, fand vor 50 Jahren statt. Am 21. Juli 1969 betraten die Astronauten Neil Armstrong und Buzz Aldrin die Mondoberfläche. Der bislang letzte Astronaut, der dort landete, war im Jahr 1972 Gene Cernan. Die Zeit der Mondlandungen dauerte nur drei Jahre. Dann änderten sich die Prioritäten und die USA gaben ihre öffentlichen Gelder für andere Zwecke aus.

Es waren viele Faktoren, die allesamt wenig mit der Wissenschaft zu tun hatten, die schließlich die Flügel von Apollo sowie des Rennens um den Weltraum im Allgemeinen stutzten. Das war keine Überraschung, denn der ganze so genannte "Mondschuss" - das 1962 vom damaligen US-Präsidenten John F. Kennedy ausgerufene Rennen um den Mond - war ein rein strategischer Schachzug, der eher aus geopolitischen als aus wissenschaftlichen Zwecken erfolgte. Und aus innenpolitischer Sicht war das Thema eine leichte Beute für die inzwischen veränderten Mehrheiten im Kongress: Benötigte Kennedy nur einen Monat, um 4,4 Prozent des Staatshaushalts an die NASA zu vergeben, brauchte Richard Nixon kaum länger, um das Apollo-Programm zu beenden und sich auf andere Dinge zu konzentrieren.

Machtspiel des Kalten Krieges

Wie bei jedem analysierenden Rückblick ist auch in diesem Fall der historische Kontext ausschlaggebend, um diese drei seltsamen Jahre zu verstehen. In den frühen 1960er Jahren schien die Sowjetunion nach erfolgreichen Missionen mit dem Sputnik, dem ersten von Menschen gefertigten Satelliten, sowie mit Juri Gagarin, dem ersten Menschen im Weltraum, das Rennen um den Weltraum zu gewinnen. Die russischen Raumfahrer hießen Kosmonauten, und der Propaganda der UdSSR zufolge handelte es sich um sowjetische Bürger, die den Roten Stern in die Dunkelheit des Weltraums bringen sollten. Genau diese Erfolge veranlassten Kennedy dazu, zu reagieren und der amerikanischen Weltraumbehörde neues Leben einzuhauchen. Bevor er den Mond ins Visier nahm, hatte Kennedy einen Plan zur Entsalzung von Meerwasser vorangetrieben. Diese Entscheidungen wurden von Winkelzügen des Kalten Krieges diktiert. So brach nur einen Monat nach Kennedys Ankündigung einer bemannten Raumfahrtmission zum Mond ("Wir haben beschlossen, auf den Mond zu gehen"), in Kuba die „Schweinebucht-Krise“ aus.

Zweifellos war der Mond eine perfekte Wahl: ein lyrisches Objekt par excellence, der ikonenhafte Mittelpunkt romantischer Abende sowie unzähliger Gedichte und Lieder – und nun auch ein überraschendes Symbol der Macht. Die US-Flagge auf dem Mond zu hissen war eine Machtdemonstration von beispielloser Größe, und das in wissenschaftlicher, kultureller und nicht zuletzt symbolischer Hinsicht (man denke an die Fußspuren der Astronauten, die Fotos, die Live-Berichterstattung...).

Nun, nach Jahrzehnten der Flaute, erleben wir derzeit ein Wiedererwachen des Interesses am natürlichen Satelliten der Erde. Und erneut stehen nicht rein wissenschaftliche Entdeckungen ganz oben auf der Liste der Faktoren, die das Interesse bedingen. Allerdings gibt es 50 Jahre nach der ersten Mission einige bemerkenswerte Unterschiede: Russland ist nicht mehr im Spiel, dafür rückten andere Nationen nach, denen wiederum private Akteure folgen. Unternehmen, Start-ups, Regierungen und Milliardäre: 2019 ist das Rennen um den Mond ebenso umkämpft wie chaotisch.

Mehrere Spieler

Klar, die Zeiten haben sich geändert. Was früher nur für zwei Supermächte erreichbar war - jeweils unter Einsatz hoher Prozentsätze ihrer Budgets -, ist heute dank der durch den wissenschaftlichen Fortschritt ermöglichten Kostensenkungen auch für ausgewählte Privatpersonen und Unternehmen erreichbar. So sind Raketen nicht mehr die ausschließliche Domäne der Raumfahrtbehörden, sondern werden von Unternehmen wie SpaceX und Masten (die in wenigen Jahren das zuvor bestehende Monopol beseitigten) regelmäßig entwickelt, und das oft von Teams mit nur wenigen Dutzend Personen.

Selbstverständlich spielen die NASA und Militärgiganten wie Lockheed Martin Space, die eng mit Regierungskommissionen aus der ganzen Welt verbunden sind, immer noch wichtige Rollen, aber das Umfeld hat sich verändert: Erstmals in der Geschichte gibt es Alternativen. Es gibt neue Raketen, die, wie der CEO von Masten kürzlich dem New Yorker sagte, "buchstäblich vom Raspberry Pi bedient werden", einem kleinen Computer, ursprünglich dazu gedacht, Kindern das Programmieren beizubringen. Und wie oft dargelegt wurde, verfügt ein durchschnittliches Smartphone über eine höhere Rechenleistung als der Computer, der einst benutzt wurde, um Männer auf den Mond zu bringen. Das sagt alles!

Die NASA beabsichtigt ebenfalls, zum Mond zurückzukehren … und das bald, dank der neuen Mittel, zugesagt von der Administration des US-Präsidenten Trump mit dem Ziel einer Mondmission bis 2024, vier Jahre früher als geplant. Auch die Europäische Weltraumorganisation will zum Mond, weil sie hofft, ab 2025 Ressourcen aus dem Mondboden zu gewinnen. Der Blick nach Osten zeigt: China schickte in diesem Jahr eine eigene Sonde auf die dunkle Seite des Mondes, um dort Baumwollpflanzen sprießen zu lassen. Nicht zuletzt wird Indien demnächst versuchen, mit seiner Chandrayaan-2-Mission den Südpol des Mondes zu besuchen. Bei allen genannten Projekten handelt es sich um unbemannte Missionen, ohne Personal an Bord, roboterisiert und von der Erde aus gesteuert. Aber es gibt noch zahlreiche weitere Projekte, und sie stellen erst den Anfang dar.

Weltraumträumer

Um auf die neuen Aspekte dieses Mondrausches zurückzukommen: Derzeit konkurrieren nicht nur souveräne Staaten um den Mond, sondern auch Privatpersonen. Darunter Jeff Bezos, Gründer und CEO von Amazon, der reichste Mensch der Welt und in seiner Freizeit der Finanzier von Blue Origin. Dieses Start-up-Unternehmen stellte kürzlich Blue Moon vor, ein Modul, das „auf den Mond zurückkehren und dort bleiben" soll. Bezos finanziert das Unternehmen mit einer Milliarde Dollar pro Jahr und hat deutlich gemacht, dass er die NASA unterstützen will, nach wie vor der wichtigste Akteur in allen Belangen der „Mondwirtschaft“.

Und dann gibt es Elon Musk, Mitbegründer von PayPal. Er gründete 2002 SpaceX mit Ambitionen, die damals verrückt schienen und erst jetzt anfangen, in menschliche Reichweite zu gelangen. Als Neuling im Raketensektor heißt das ultimative Ziel von SpaceX, Menschen zum Mars zu bringen und die Ansiedlung einer Menschenkolonie auf dem Planeten zu fördern. Die Mission des Unternehmens ist von grundlegender Bedeutung und erinnert uns daran, dass ein Weltraumstart Millionen von Menschen erreichen und vor den Bildschirmen bannen kann. Sollte sich eine dieser Raketen als fähig erweisen, zum Mars zu fliegen, kann man sich leicht den Ruhm und die Ehre vorstellen, welche die Verantwortlichen der Mission erwarten. Auch dieser Faktor ist wichtig, um neue Unternehmen und neue Finanzierungen für einen Sektor zu gewinnen, der in den vergangenen Jahrzehnten in Ungnade gefallen war.

Neben den Technologie-Milliardären haben sich weitere Akteure aus dem Silicon Valley eingefunden. Zum Beispiel Richard Branson's Virgin Galactic. Das Unternehmen erstellt Entwürfe für den zukünftigen Weltraumtourismussektor und schloss mit der italienischen Weltraumbehörde einen Vertrag über die Nutzung des Weltraumhafens Grottaglie in Süditalien ab.

Im digitalen Bereich ist Google Kurator des Lunar X Prize: Der Wettbewerb bietet jedem Team 20 Millionen Dollar, das einen Roboter entwickeln kann, der auf dem Mond landet, sich über dessen Oberfläche bewegt und hochauflösende Bilder an die Erde sendet. Wer sich der Herausforderung stellen will und sich unter den Gewinnern dieses Preises umsieht, entdeckt eine neue Welt ehrgeiziger Gegner wie Moon Express, Synergy Moon und SpaceIL aus Israel. Diese Teams wiederum arbeiten mit Unternehmen zusammen, die sich auf Launch-Technologie spezialisiert haben, darunter Spaceflight Industries, Rocket Lab und das bereits erwähnte SpaceX. Finanzen, Träume von Ruhm und eine verbesserte Logistik haben die Regeln des Weltraumspiels verändert: Sobald ein auf Raketen spezialisiertes Wissenschaftsteam das Beherrschen eines obskuren und fast unmöglichen Themas verkündet hat, scheint es heute für viel mehr Akteure erreichbar zu sein.

Neue Ziele

Die Funktion der NASA hat sich im Zuge der allgemeinen Umwälzungen in diesem Sektor verändert sowie verdoppelt. Einerseits finanziert die US-Regierung die Behörde weiterhin für bemannte und unbemannte Raumfahrtmissionen, andererseits ist sie eine internationale Plattform geworden, die für die große Zahl neuer Akteure des Sektors tätig ist, Raketen anmietet sowie zudem als aktiver Partner bei der Entwicklung neuer Technologien und Missionen fungiert.

In diesem Zusammenhang tauchen auch alte Ideen und Konzepte wieder auf, wie zum Beispiel die künstlicher Raumkolonien: kleine, seltsam geformte Welten voller Städte, aber auch natürlicher Umgebungen. Diese Idee schlug NASA-Wissenschaftler Gerard O'Neill bereits in den späten 1960er Jahren als Mittel zur Bekämpfung der Überbevölkerung vor. Die Realisierung der „O'Neill Colonies" wurde nie ernsthaft in Betracht gezogen, aber ihr Erfinder arbeitete viele Jahre lang als Professor an der Princeton. Einer seiner Schüler war ein gewisser Jeff Bezos, der anscheinend diese Pläne für Städte im All nie vergessen hat. 

All diese Dinge geschehen, fokussiert auf den Weltraum im Allgemeinen und den Mond im Besonderen – eine ferne Mikrowelt, deren Kolonisierung ein historischer Wendepunkt wäre. Ein neues Ziel, das stets unerreichbar schien, aber dank des menschlichen Genies jetzt in Reichweite kommt.

Traumprojekte gelangweilter Milliardäre oder Investitionen in eine bessere Zukunft? Es ist schwierig, sich der richtigen Antwort auf diese Frage sicher zu sein. Aber vielleicht spielt es auch keine Rolle, denn wie wir gesehen haben, war das Weltraumrennen nie eine rein wissenschaftliche Angelegenheit - außer für die Wissenschaftler, die es ermöglicht haben. Das Sammeln von Felsen auf dem Mond war nie eine Priorität für eine Supermacht, egal auf welcher Seite des Eisernen Vorhangs sie sich befand. Gleiches gilt nun für das Silicon Valley - vielleicht inspiriert von einer Leidenschaft für die Zukunft und einem Science-Fiction-Traum, der heute verlockend kurz vor der Realisierung scheint.

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