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„Uns mit unserer Herkunft verbinden“: Der Cal 2026

Der Fotograf Sølve Sundsbø greift die „Elemente“ in einer ambitionierten Interpretation des Pirelli Kalenders auf, wobei er Naturaufnahmen mit Hightech-Bildern und einer rein weiblichen Besetzung verbindet

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„Ich bin dafür bekannt, dass ich mitten in der Nacht im Regen stehe und viel zu lange ein Gewitter beobachte“, gesteht der in Norwegen geborene und in London lebende Fotograf und Filmemacher Sølve Sundsbø.

„Ich liebe diese romantische Idee der Verbindung zwischen Menschen und Natur, die Maler des 19. Jahrhunderts wie Caspar David Friedrich erforschten. Ich denke, wir können es als eine Art Geheimnis, Fantasie, Leidenschaft, Wunsch nach Emanzipation und unsere Beziehung zu Zeit und Raum bezeichnen.“

Genau diese Verbindung inspirierte Sundsbø zu seiner Version des Pirelli Kalenders 2026. Er begann damit, einen Rahmen für sein Konzept rund um die „Elemente“ zu schaffen – insbesondere Erde, Wasser, Luft, Feuer und Äther sowie andere Aspekte der Natur. „Ich halte nichts davon, zu wörtlich zu sein“, sagt Sundsbø. „Im Kalender geht es nicht wirklich um Erde, Wind, Feuer und Wasser; er ist eine Möglichkeit, uns mit unserer Herkunft zu verbinden.“

Die vor seiner Kamera agierenden Frauen stellte er durch ein Porträt mit einem elementaren oder natürlichen Thema dar. Dieses resultierte jeweils aus der Zusammenarbeit zwischen dem Fotografen und den Portraitierten. „Ich möchte Emotionen, Instinkte und Gemütszustände einfangen, die für das menschliche Leben von zentraler Bedeutung sind – also die Sehnsucht nach Freiheit, Neugier, Wissensdurst“, erläutert der führende Modefotograf, der für seine fantastischen Bilder und den Einsatz modernster Technologie bekannt ist.

In Studios in London und New York aufgenommen, beinhalten die Porträts des Kalenders 2026 auch Aufnahmen im Freien in der englischen Landschaft von Norfolk und Essex (einschließlich Wolkenbewegungen und Sonnenuntergängen) sowie Requisiten (wie frische Blumen), um das elementare Thema zu verdeutlichen.

Ein Ensemble außergewöhnlicher Frauen

Die Besetzung ist international und besteht aus Frauen im Alter zwischen 30 und 70 Jahren aus den Bereichen Film, Mode, Sport und Musik.

Zu den porträtierten Frauen zählen die Oscar-Preisträgerin Tilda Swinton, die Grammy-nominierte Sängerin und Songwriterin FKA twigs, die Oscar-nominierte Schauspielerin, Model und Naturschützerin Isabella Rossellini sowie die mehrfache Grand-Slam-Siegerin und Olympiasiegerin im Tennis Venus Williams (die ihr Kalenderdebüt gibt, nachdem ihre Schwester Serena Williams bereits 2016 im von Annie Leibovitz fotografierten Kalender zu sehen war).

„Entscheidend ist, dass es sich um Frauen handelt, nicht um junge Models“, sagt Sølve Sundsbø über die ausgewählten Protagonistinnen für den kommenden Cal, der im Juni und Juli aufgenommen wurde. „Es sind erfahrene, erwachsene Persönlichkeiten, die ich für das, was sie tun, sehr respektiere. Manche wollte ich unbedingt kennenlernen und zum ersten Mal fotografieren. Andere kenne ich schon länger und wollte sie erneut porträtieren. Es war ein bisschen so wie die Frage: Wen würdest du gern zum Abendessen einladen?

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Zur Besetzung gehören auch das ehemalige Model und Modedesignerin Susie Cave (die bereits in Clive Arrowsmiths Kalender 1991 sowie in Helmut Newtons 1986 aufgenommenem und 2014 präsentierten Kalender erschien), die italienische Schauspielerin und „The Hand of God“-Star Luisa Ranieri, die Emmy-nominierte „Game of Thrones“-Darstellerin Gwendoline Christie, das russische Model und Coverstar Irina Shayk, das chinesische Model und Schauspielerin Du Juan (bereits im Pirelli Kalender 2008 von Patrick Demarchelier vertreten), das tschechische Supermodel Eva Herzigová (bereits zu sehen im 1996er Kalender von Peter Lindbergh und im 1998er Kalender von Bruce Weber) sowie die puerto-ricanische Schauspielerin und „Andor“-Darstellerin Adria Arjona.

Verbindungen schaffen

Sundsbø sprach mit jeder Teilnehmerin über das Konzept, um sicherzustellen, dass sie sich mit ihrem Setting identifizieren konnte. „Es geht vor allem um Gespräche“, sagt er. „Man möchte, dass diese Person schön aussieht und sich mit ihrem Element im Einklang fühlt. Gleichzeitig geht es darum, wie man dieses Konzept visualisiert und beide Ebenen zusammenbringt.“

So hatte Sundsbø ursprünglich FKA Twigs im Sinn, um ein bestimmtes Element zu repräsentieren. Nach ersten Gesprächen entschieden sich beide jedoch für etwas Erdigeres – Twigs posierte schließlich „im Sand herumrollend“. „Nichts ist besser, als wenn jemand genau versteht, was du erreichen willst, und gleichzeitig formulieren kann, womit er sich wohlfühlt“, erklärt Sundsbø.

Manche Arrangements sind wörtlicher ausgelegt als andere. „Eva [Herzigová] und Susie [Cave] haben wir ins Wasser gesetzt“, erzählt Sundsbø. „Für Tilda [Swinton] haben wir im Studio einen magischen Mini-Wald gebaut. Aber man ist immer durch das begrenzt, was eine Person gut aussehen und sich gut fühlen lässt. Man will zum Beispiel kein echtes Feuer hinter jemandem lodern lassen, außer es ist wirklich nötig. Bei Venus [Williams] wurde das Feuer daher vorher aufgenommen und auf die Wand hinter ihr projiziert.“

Etwas Magisches schaffen

Für die Arbeit am Kalender 2026 stellte Sundsbø ein Team langjähriger Weggefährten zusammen: „Im Grunde Freunde – Leute, die ich kenne, mit denen ich offen sprechen kann. Es gab keine Nebengeräusche, sondern viel Ehrlichkeit.“

Stylist Jerry Stafford, mit dem er bereits bei zahlreichen Projekten gearbeitet hatte – darunter die Installation The Ever Changing Face of Beauty für W Magazine 2012 sowie Editorials für Dust und Vogue Korea mit Tilda Swinton – war wieder dabei. „Jerry ist nicht nur ein großartiger Stylist, sondern auch jemand, der mir neue Perspektiven eröffnet, wenn ich mit ihm spreche“, so Sundsbø. „Er setzt Ideen frei, indem er kleine Inspirationsfunken gibt.“ Ergänzt wurde Stafford durch die Kostümbildnerin Stevie Stewart.

Zum Londoner Team gehörten außerdem die Hairstylisten Syd Hayes („Syd ist ein großartiger Friseur, der immer das tut, was für das Bild richtig ist, anstatt seine eigenen Vorstellungen durchzusetzen“) und Ali Pirzadeh sowie die Make-up-Artistin Val Garland („Ich vertraue ihrem Auge und ihren Fähigkeiten als Make-up-Artistin und als Mensch“). Das New Yorker Team bestand aus Hairstylist Bob Recine und Make-up-Artist James Kaliardos. „Alle waren da, um den Bildern zu dienen und etwas Magisches zu erschaffen“, so Sundsbø.

Ebenfalls am Set: die Directors of Photography Benoît Delhomme (London) und Tristan Sheridan (New York). „Sie standen direkt neben mir, um die Bilder im Filmformat umzusetzen“, sagt Sundsbø. „Zwei Menschen, mit denen ich unglaublich gern arbeite, weil sie viel Expertise und nur wenig Ego haben.“ Set-Designer war Robbie Doig, Casting Director Piergiorgio Del Moro.

Eine Auszeichnung, die es sich zu verdienen gilt

Sundsbø hat bereits für zahlreiche führende Mode- und Beauty-Marken fotografiert, seine Magazin-Arbeiten umfassen Cover und Editorials für Harper's Bazaar Italia, i-D, Love, Numéro, Perfect, Re-Edition, The Face, V, Vogue Italia und W. Unter den Prominenten, die er porträtierte, sind etwa Brad Pitt und George Clooney (GQ) sowie Zendaya und Cate Blanchett.

Über die Wahl zum Fotografen des jüngsten Pirelli Kalenders sagt er: „Es ist ein bisschen wie eine Auszeichnung, die man bekommt – und die man sich danach erst verdienen muss. Angesichts des Pantheons an Fotografen, die es zuvor gemacht haben, ist das einschüchternd. Aber es ist auch eine große Ehre, und ich bin sehr dankbar.“

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